Was tun nach fehlgeschlagenen Zyklen und Fehlgeburten?

Dr. Alessandra Eissler
Gynäkologin

Category:
Fehlgeschlagene IVF-Zyklen

WAS TUN NACH FEHLGESCHLAGENEN ZYKLEN UND FEHLGEBURTEN?
In diesem Video erfahren Sie:
  • Warum kommt es zu fehlgeschlagenen Zyklen und Fehlgeburten?
  • Die Eizellenqualität als Ursache für fehlgeschlagene Zyklen und Fehlgeburten.
  • Endometriose als Ursache für fehlgeschlagene Zyklen und Fehlgeburten.
  • Der männliche Faktor als Ursache für fehlgeschlagene Zyklen und Fehlgeburten.
  • Behandlungsprozess. Wie sieht der Ablauf der Behandlung aus?

Was tun nach fehlgeschlagenen Zyklen und Fehlgeburten?

In diesem Webinar erklärt Dr. Alexandra Eissler, Gynäkologin und Fruchtbarkeitsspezialistin bei IVF-Life Alicante, was nach gescheiterten Zyklen und Fehlgeburten getan werden kann.

Zunächst einmal betont Dr. Eissler, dass jeder Fall einer Patientin einzigartig ist und individuell betrachtet werden muss. Bevor man eine Behandlungsoption vorschlagen kann, sollte man eine Diagnose durchführen. Ganz wichtig ist es, die Ursachen von vornherein zu klären. Natürlich lässt sich das nicht immer hundertprozentig oder mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit abklären, aber wenn man sich die bereits durchgeführten Behandlungen anschaut, zum Beispiel Fehlgeburten, Einnistungsfehler oder fehlgeschlagene Stimulationen, bei denen nicht genügend Einzelzellen entnommen werden konnten oder die sich nicht entsprechend entwickelt haben, dann kann man aus der Betrachtung dieser Zyklen und dieser Behandlungen sehr viel lernen, und dementsprechend ist es bei IVF Life wichtig, im Vorfeld nach den Ursachen zu forschen.

Warum scheitert alles? Was könnte der Grund sein?

Dr. Eissler spricht von vier Kategorien von Ursachen. Das Scheitern kann an der Eizellenqualität, der Gebärmutter-Schleimhaut, dem männlichen Faktor (Spermienqualität) und zahlreichen anderen Möglichkeiten liegen (z.B. spielt die Immunologie eine viel größere Rolle als man bisher angenommen hat).

Eizellenqualität. Dies ist ein sehr häufiger Faktor. Die Anzahl und die Qualität der Eizellen hängt unter anderem vom Alter der Frau ab. Die Qualität der Eizellen ist schwer zu messen. Dr Eissler sagt, dass man in der IVF Life Klinik eine genetische Untersuchung der Embryonen vor der Implantation, d.h. vor dem Transfer, durchführen lassen sollte, da mit zunehmendem Alter einfach das Risiko steigt, dass die Embryonen aneuploid sind. Das heißt die Embryonen, die nicht den üblichen doppelten Chromosomensatz mit 46 Chromosomen aufweisen. Aneuploidie bei Embryonen ist eine der Hauptursachen für Fehlgeburten und Unfruchtbarkeit.

Was kann im Hinblick auf die Eizellenqualität machen?

  • Vor-Behandlung (Priming)
  • Genetische Präimplantationstests an den Embryonen
  • PGT-A
  • PGT-M / PGT-SR
  • Personalisiertes Stimulationsprotokoll
  • Verjüngung der Eierstöcke (PRP)
  • IVF oder Eizellspende

Dr. Eissler erklärt, dass neben der Eizelle auch die Gebärmutterschleimhaut sorgfältig diagnostiziert werden muss. Die Gebärmutterschleimhaut muss gut aufgebaut sein, bevor mit dem Transfer begonnen wird. Deshalb ist ein Probezyklus erforderlich, um zu sehen, wie die Schleimhaut reagiert.
Man untersucht auch neben der Rezeptivität des Endometriums die Immunologie: NK-Zellen, Th1-, Th2 und die die Chronische Endometritis. Chronische Endometritis nennt man die dauerhafte Entzündung des Endometriums. Diese Pathologie findet sich bei bis zu 10% aller Frauen, wobei man weiß, dass dieser Anteil bei Patientinnen mit wiederholten embryonalen Implantationsfehlern oder bei Patientinnen mit wiederholten Fehlgeburten viel höher ist (10-67%).

Dank dieser Tests ist es möglich, den richtigen Zeitpunkt für den Embryotransfer zu berechnen (ER Map®), die Gebärmutterschleimhaut immunologisch einzustellen und eine KIR- und HLA-C-Genotypisierung durchzuführen.

Bei IVF Life gibt jeder Patient eine Spermaprobe ab. Das Sperma wird danach qualifiziert, wie viele Normalformen im Sperma zu finden sind, ob das der Norm entspricht, wie die Beweglichkeit der Spermien ist und erst dann kann man weiter überlegen, ob zum Beispiel die Konzentration vermindert ist oder vielleicht gar keine Spermien im Ejakulat sind, was der Grund dafür ist, ob es irgendwelche mechanischen Hindernisse gibt, ob es irgendwelche Operationen gegeben hat, die hier Probleme verursachen könnten und dann muss man überlegen, wie man das Problem löst und es gibt verschiedene andere Möglichkeiten.

Der männliche Faktor wird mit Hilfe des Karyotypen, der DANN-Fragmentierung und der andrologischen Erforschung und Bewertung der Chromosomen untersucht.

Hatten Sie bereits in der Praxis den Fall, dass bei Medikamentengabe zur Stimulation der Reifung der Eizellen genau das Gegenteil erreicht wird, nämlich dass der Körper den Wachstum der Eizellen als Konsequenz und für die Dauer der Medikamentengabe einstellt/einfriert? Nach Absetzen der Medikamente (Clomifen/Pergoveris) reift Eizelle weiter ganz normal im natürlichen Zyklus.

Es gibt sehr seltene Fälle, in denen der Körper tatsächlich nicht gut auf Hormongaben reagiert, aber in diesem Fall können Sie natürlich versuchen, einen natürlichen Zyklus zu machen.

Hatten Sie in der Praxis den Fall, dass nach PRP Verschlechterung (Absenkung des AMH) passiert ist?

Die PRR hat keinen Einfluss auf die AMH. Es ist also nicht der Fall, dass wir nach der PP-Injektion einen Anstieg der AMH feststellen, zumindest noch nicht eindeutig aus den Daten, die wir im Moment haben, aber was wir sehen können, ist, dass sich zwei bis drei Monate nach der PRP-Injektion die Anzahl der Zellen und die Qualität der Zellen etwas verbessern kann. AMH nimmt mit laufe der Zeit ab.

Wie lange soll man nach einer fehlgeschlagenen Behandlung der künstlichen Befruchtung warten um mit der nächsten IVF zu starten?

Im Prinzip kann man, wenn ein Zyklus abgebrochen wurde, schon mit dem nächsten Zyklus beginnen. Es gibt auch Varianten, noch schneller zu beginnen, aber es gibt auch die Möglichkeit, einen Monat Pause zu machen und dann wieder zu beginnen, wobei das, individuell gemacht werden muss, je nach Alter der Patientin und dem AMH-Wert, der Ursache des fehlgeschlagenen Transfers usw.

Sind etwaige Verwachsungen in der Gebärmutter/im Endometrium und Endometriumdicke von 7mm-11mm im Zeitpunkt des Eisprungs miteinander kompatibel? Also könnte eine solche Dicke des Endometriums Verwachsungen ausschließen oder nicht?

Aus der Dicke der Gebärmutterschleimhaut kann man nicht schließen, ob Verwachsungen vorliegen oder nicht, d.h. man kann mit der Dicke der Gebärmutterschleimhaut Verwachsungen nicht ausschließen. Hier könnte man beispielsweise eine Hydrosonographie machen oder um hundertprozentig sicher zu sein eine Gebärmutterspiegelung.

An welchem Zyklustag machen Sie Endometrium-Biopsie?

Bei uns findet sie am 21. Tag des Zyklus statt.

Wie lange warten Sie nach PRP, um Stimulation zu beginnen?

Der optimale Zeitpunkt sind 3 Monate.

Was kann denn Anderes / Zusätzliches bei Ihnen durchgeführt werden im Vergleich zu Deutschland bei Adenomyose und Endometriose (Alter 34)? Das stellt doch wahrscheinlich ein Problem dar, das in beiden Ländern gleich behandelt würde? Oder worin wäre der “Vorteil” in Spanien?

Endometriose ist eigentlich in allen Ländern in gleichem Maße ein Problem. Was hier in Spanien durchgeführt werden kann, ist die Endometriumbiopsie, die leider in vielen anderen Kliniken nicht durchgeführt wird, wo man einfach die Gebärmutterschleimhaut anschauen kann und sehen kann, inwieweit die Gebärmutterschleimhaut und die Qualität der Gebärmutterschleimhaut hier betroffen ist und es ist tatsächlich so, dass wir hier in Spanien einfach eine sehr gute Expertise haben, was Kinderwunschbehandlungen anbelangt.

Wie lange dauert eine PGT-Analyse und wie viele Male müsste die Klinik vor Ort besucht werden?

Nachdem die Embryonen biopsiert und eingesandt wurden, dauert es vier bis sechs Wochen, bis die Ergebnisse vorliegen.

Können Sie etwas dazu sagen, ob erhöhtes Gerinnungsfaktor VIII eine Rolle für fehlgeschlagene Einnistung spielen kann?

Im Prinzip kann jede Anomalie des Gerinnungsfaktors ein Problem darstellen. Hier ist es sehr wichtig, dass wir eine genaue Beschreibung des Problems mit dem Gerinnungsfaktor 8 bekommen, um zu sehen, wo das Problem liegt. Es gibt Erhöhungen, die so minimal sind, dass sie keine Rolle spielen, und es gibt Erhöhungen, auf die man reagieren muss.

Bis zu welchem Alter macht eine IVF mit eigenen Eizellen überhaupt Sinn?

Das ist eine schwierige Frage, die letztlich individuell beantwortet werden muss. Es gibt Patienten, die sagen, eine Eizellspende kommt für mich nicht in Frage, das ist keine Option, die es aber unbedingt mit ihren eigenen Genen versuchen wollen. Das Problem bei der Fruchtbarkeitsbehandlung ist, dass es unglaublich schwierig ist, zu sagen, dass sie unmöglich ist. Die Frage lautet – welchen Weg sind Sie bereit zu gehen? Je älter man wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es mit den eigenen Genen klappt, aber auch das muss man individuell abwägen, je nach AMH-Wert. Wir haben auch Patientinnen, die über 40 sind, bei denen wir eine erfolgreiche Stimulation und dann letztlich auch Schwangerschaften nach dem Embryotransfer erreichen, wir machen die Stimulation auch bei Patientinnen, die älter als 45 sind, aber man muss einfach ganz klar sagen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es funktioniert, extrem gering ist.

Kann bei Eizellspende der männliche Part so ausschlaggebend sein, dass wiederholt Einnistungsversagen auftritt?

Ja, auf jeden Fall.

Wie oft muss man bei einem „Versuch“ vor Ort sein?

Im Prinzip reicht es aus, für die Woche der Stimulation zu kommen, d.h. für die zweite Woche der Stimulationsphase, die Stimulation mit den Hormonen dauert wie gesagt zwei Wochen und die letzte Woche wäre hier bei uns in der Alicante, damit wir die Follikel genau kontrollieren können. Wenn möglich, empfehlen wir Ihnen jedoch, uns im Voraus zu besuchen, damit Sie sich ein Bild von der Klinik machen können.

Ab welcher Schleimhautdicke transferieren Sie?

Schleimhautdicke ab 7 ist optimal.

Kann die Eizellenqualität bei niedrigerer Hormonstimulation (IVF-Naturelle) verbessert werden?

Natürliche IVF ist meiner Meinung nach ein schwieriger Begriff, weil er voraussetzt, dass das man quasi eine Einzelentnahme in einem natürlichen Zyklus macht. An für sich ist es so, dass wir die Hormon Substitution sehr genau darauf anpassen wie viele Eizellen da sind und wir wissen, dass auch eine zu hohe Hormongabe dazu führen kann dass die Qualität der Eizellen schlechter wird. Man muss es also wirklich individuell von der Patientin und dem Fall abhängig machen – wie viel Hormon braucht die Patientin, wie viele Eizellen wollen wir mit den Hormonen “füttern”, wie viele Follikel sollen reifen, was erwarten wir von der Stimulation und die Hormontherapie muss entsprechend angepasst werden.
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Autoren
Dr. Alessandra Eissler

Dr. Alessandra Eissler

Dr. Alexandra Eissler, ist eine Fruchtbarkeitsspezialistin bei IVF-Life Alicante. Sie ist eine äußerst erfahrene Ärztin, die ihre akademische Laufbahn am angesehenen Gymnasium Carlo-Schmid in Tübingen begann. Nach ihrer Zeit an dieser Einrichtung schloss sie ihr Medizinstudium an der Universität Ulm ab, eine Periode, die von 2012 bis 2019 dauerte. Neben ihren akademischen Erfolgen ist es erwähnenswert, dass sie über umfangreiche Sprachkenntnisse verfügt und die englische, französische, spanische und italienische Sprache tadellos beherrscht. Dieses wertvolle Repertoire an Sprachkenntnissen fügt zweifellos eine zusätzliche Dimension zu ihrem bemerkenswerten akademischen Profil hinzu. Im Verlauf ihrer beruflichen Laufbahn hat Dr. Eissler eine beeindruckende Bandbreite an praktischen Erfahrungen gesammelt. Ihre praktische Ausbildung erstreckt sich weit darüber hinaus und umfasst zahlreiche Praktika in Bereichen wie Anästhesiologie, Gynäkologie und Allgemeinmedizin, die sie an weltweit renommierten Einrichtungen absolvierte.
Veranstaltungsmoderatorin
Agata Panas

Agata Panas

Agata Panas ist Journalistin, Copywriterin, PR-Spezialistin und Germanistin. Sie hat Erfahrung in den Branchen Marketing und Wideo Marketing. Sie ist seit mehreren Jahren in der Kinderwunschbranche tätig. Agata arbeitete in einer Kinderwunschklinik als PR-Spezialistin. Derzeit leitet sie die PR- und Marketingaktivitäten in mehreren Kliniken. Sie schreibt Artikel, verwaltet soziale Medien und produziert Werbevideos. Privat treibt sie gerne Sport. Neben dem Joggen auf der Straße stellt sie regelmäßig ihre sportlichen Fähigkeiten unter Beweis, während sie sich um ihre beiden Kinder kümmert.
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